Nachhaltiges Bauen meets New Work

Was heißt eigentlich nachhaltiges Bauen?

Beim nachhaltigen Bauen werden neben den drei Säulen der Nachhaltigkeit ökologische, ökonomische und sozial-ethische Verantwortung – noch weitere Aspekte berücksichtigt. Ein wichtiger Bestandteil ist die Lebenszyklusbetrachtung. Hierbei wird in allen Phasen des Lebenszyklus (Planungsphase, Errichtungsphase, Nutzungsphase, Rückbauphase) eines Gebäudes der Einsatz von Rohstoffen und Energie optimiert und der Umgang mit Ressourcen effizient gestaltet, um die Belastung der Umwelt so gering wie möglich zu halten und eine langfristig optimierte Nutzungsqualität der Immobilie zu erreichen.
 

Folgende Faktoren sind bei einer nachhaltigen Bauweise unerlässlich:

  • Schonung von Naturräumen
  • Flächen sparendes Bauen
  • Minimierung des Energiebedarfs während des gesamten Lebenszyklus
  • Nutzung erneuerbarer Energien
  • Langer Nutzungszyklus eines Gebäudes
  • Rückbaufähigkeit von Bauteilen
  • Berücksichtigung möglicher Nutzungsänderungen
  • Verwendung nachwachsender und nachhaltig produzierter Rohstoffe
  • Beachtung kurzer Transportwege für die eingesetzten Baustoffe
  • Verwendung wiederverwertbarer Baustoffe
  • Verwendung wohngesunder Baustoffe
  • Nachnutzungsmöglichkeiten
  • Senkung des Verbrauchs von Betriebsmitteln

Warum ist nachhaltiges Bauen wichtig?

Zur Erreichung der Klimaschutzziele spielt die nachhaltige Bauweise von Immobilien eine große Rolle, da ca. 1/3 der jährlichen CO2-Emissionen und ca. 40 % des Energieverbrauchs durch Gebäude verursacht werden. Weiterhin ergibt sich für den Immobiliennutzer:innen während der Nutzungsphase durch Energieeinsparung ein Kostenvorteil gegenüber von konventionellen Gebäuden.

Zertifizierung:


Was bedeutet New Work?

New Work beschreibt neue und agile Arbeitsweisen, um auf veränderte Rahmenbedingungen schnellstmöglich reagieren zu können. Komplexe Themen, Digitalisierung, verändertes Kundenverhalten oder andere äußere Einflussfaktoren können durch New Work Methodiken und Formate in crossfunktionalen Teams flexibel und schnell bearbeitet werden.

Die wichtigsten Punkte sind dabei:

Netzwerkorganisation

Alle Mitarbeitenden bringen sich mit ihren Stärken ein und können das Unternehmen aktiv mitgestalten. Durch die Vernetzung unterschiedlicher Abteilungen werden Wissens-Silos abgebaut und Veränderungen können effizient gestaltet werden. Hier spielen die räumlichen Gegebenheiten eine wesentliche Rolle, um vernetzt zusammenarbeiten zu können.

Wohlfühlklima

Für jedes Arbeitsthema gibt es passende und unterschiedliche Work Spaces. Für konzentriertes Arbeiten stehen natürlich weiterhin reguläre Arbeitsplätze zur Verfügung. Um gemeinsam an einem Thema abteilungsübergreifend zu arbeiten oder sich auszutauschen, laden Sofaecken und Kreativräume ein. Für ungestörtes Telefonieren kann man eine der dafür vorgesehenen Telefonboxen nutzen. Für jedes Thema gibt es also den passenden Arbeitsplatz.

Kreativität und Agilität

Aufgaben werden vermehrt durch abteilungsübergreifende, selbstorganisierte Teams erledigt. Hierdurch werden unterschiedliche Blickwinkel berücksichtigt und die Ergebnisse verbessert. Neue Arbeitsmethoden wie Design Thinking, Prototyping, Kanban und Scrum unterstützen die Mitarbeitenden dabei und erhöhen die Kreativität.

Neue Arbeitsformen

Neben dem stationären Arbeitsplatz werden digitale Arbeitsformen immer bedeutender. Denn so können auch standortübergreifende virtuelle Teams zusammenarbeiten, ohne eine Dienstreise auf sich nehmen zu müssen. Das erhöht die Flexibilität und ermöglicht auch mobiles Arbeiten. Bei den stationären Arbeitsplätzen spielen offene Räume, Rückzugsmöglichkeiten und Raum für kreatives Arbeiten eine große Rolle, denn so bleiben auch Mitarbeitende unterschiedlicher Abteilungen in Kontakt und haben auch spontan die Möglichkeit sich auszutauschen.

Neues und offenes Mindset

Neue Räume und Arbeitsweisen benötigen auch ein Umdenken. Um zukunftsfähig zu bleiben, ist eine offene und neugierige Haltung gegenüber Neuem und Veränderung notwendig. Es braucht Mut, um neue Wege zu gehen und sich aus dem gewohnten Umfeld zu bewegen. Nur dann können neue Lösungen kreiert werden, um den komplexen Herausforderungen begegnen zu können.


Und wie hat die Evangelische Bank diese beiden Themenfelder in ihrem Neubau vereint?

Die Evangelische Bank hat bei der Modernisierung Ihrer Bestandsimmobilie die nachhaltige Bauweise umgesetzt und wurde dafür von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen zertifiziert. So wurde beispielsweise das Betonskelett des Banken-Altbaus nicht abgerissen, sondern in den Neubau integriert. Während des Baus wurde besonders auf die Verwendung von nachhaltigen Rohstoffen geachtet. Weiterhin wurde auch bei der Auswahl der Bauunternehmen darauf geachtet, dass diese die nachhaltige Bauweise berücksichtigen. Der Neubau wurde mit offenen Räumen kreiert, in denen jedoch genügend Rückzugsmöglichkeiten für den Austausch zwischen den Mitarbeitenden zur Verfügung stehen. Die Ausstattung mit mobilen Arbeitsplätzen vereinfacht und fördert den Dialog, da nahezu alle Mitarbeitenden an allen Stellen des Neubaus arbeiten können. Damit die Mitarbeitenden trotz fehlender Einzelbüros genug Ruhe zum Arbeiten haben, wurden schallisolierende Maßnahmen wie beispielsweise Schallabsorber an den Decken getroffen.

Marc Zerwas

Weiteres Wissenswertes über den Neubau erfahren Sie im folgenden Interview mit Marc Zerwas vom Team der EB-Bauorganisation.

Wie finden Sie die Idee, ein nachhaltiges Gebäude zu konzipieren?

Die Idee und insbesondere die Umsetzung finde ich sehr gut. Die Evangelische Bank hat mich schon bei meiner Bewerbung von ihrem nachhaltigen Leitbild überzeugt. Sich unternehmerisch konsequent an Nachhaltigkeitsaspekten zu orientieren, ist bei der EB stark verwurzelt und dazu zählt auch der Neubau hier in Kassel.

 

Was sind für Sie die besonderen Merkmale der Nachhaltigkeit bei diesem Projekt?

Eine Besonderheit des Neubaus ist die Schaffung einer Verbindung zwischen zwei getrennten Gebäuden. Für das Bauprojekt war es uns sehr wichtig, die vorhandene Bausubstanz größtenteils zu erhalten. Ein weiterer Punkt ist der Denkmalschutz. Es war behördlich verlangt, hierbei auf eine einheitliche Optik zu den anderen Gebäuden zu achten, um das architektonische Gesamtbild am Ständeplatz zu erhalten.

Zum Thema Schonung von Ressourcen fallen mir die Photovoltaik-Anlage, die E-Ladestationen und ein großer Fahrradabstellraum ein. Trinkwasserspender sind in die Leitungen integriert und reduzieren hierdurch Getränkelieferungen und unnötige Verpackungen. Hierfür wurde allen Mitarbeitenden eine nachhaltige, wiederverwendbare Trinkflasche zur Verfügung gestellt.

Worin liegen für Sie die wichtigsten Vorteile gegenüber Bauten, die nicht nachhaltig gebaut werden?

Durch die sorgfältige Auswahl der Baustoffe sowie die Möblierung der Räume wird die Gesundheit der Mitarbeitenden in den Vordergrund gestellt. Weiterhin wird durch die energetische Sanierung der Energieverbrauch der Immobilie optimiert.

Sind nachhaltig gebaute Gebäude zwingend teurer als herkömmlich erstellte Bauten?

Nachhaltige Bauten sind nicht zwingend teurer. Außerdem ist der Immobilienwert eines nachhaltigen Gebäudes im Verhältnis zur herkömmlich erstellten Immobilie höher.

Gibt es auch etwas, das nicht geklappt hat oder neu geplant werden musste?

Ja, während der Bauphase treten, wie bei jedem Bau, durch unerwartete Gegebenheiten immer mal wieder Planungsänderungen auf. Ein Beispiel hierfür ist der Fund einer Weltkriegsbombe bei den Bauarbeiten. Das ändert die Planung und verzögert die Arbeit.

Neu geplant wurde die Bürostruktur unseres Hauses. Sie wurde neu definiert und die Bereiche hin zu einer offenen Arbeitswelt in Form eines Open Space geändert. Es wurden Räume für individuelle Konzentration und gemeinsames Arbeiten geschaffen. Unter anderem ein Raum mit dem Namen „InnoLab“. Dieser Raum dient der Initiierung und Umsetzung von Innovationen außerhalb unserer gewohnten Arbeitsumgebung.

Gab es Besonderheiten, auf die man sich intensiver vorbereiten musste als das bei „herkömmlichen“ Projekten?

Wenn man eine Zertifizierung eines Gebäudes wünscht, müssen verschiedene Gutachten und Analysen durchgeführt werden. Das sollte bei der Zeitplanung berücksichtigt werden. Außerdem ist die Auswahl der Handwerksunternehmen und die Auswahl der Baustoffe aufwändiger. Hierbei ist die Auswahl geringer und eine gute Abstimmung untereinander notwendig.

Sind nachhaltig gefertigte Gebäude im Kommen? Wo sehen Sie diese Art zu Bauen in fünf Jahren?

Ja, das Thema wird immer wichtiger. Den Anspruch ein Gebäude mit dem geringsten CO2-Fußabdruck zu bauen,wird sich durchsetzen. So werden meiner Meinung nach auch künftig mehr Investoren, Vermieter und Mieter einen größeren Wert auf nachhaltig zertifizierte Gebäude legen.

Welche Nachhaltigkeitskriterien würden Sie auch privat umsetzen?

Auch privat bin ich nachhaltig unterwegs. Seit Einführung des Fahrrad-Leasings, das von der EB unterstützt wird, versuche ich täglich mit meinem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Bei einer privaten Immobilie würde ich auf Aspekte des nachhaltigen Bauens zurückgreifen. Beruflich wird das nachhaltige Bauen weiterhin eine Rolle spielen. Mit der Gründung der EB-Sustainable Real Estate GmbH (EB-SRE) werden zukünftig nachhaltige Immobilienprojekte vor allem im kirchlichen und diakonischen Umfeld entwickelt und umgesetzt.

Der Neubau ist nun (fast) fertig und die Mitarbeitenden haben ihre Arbeit auf den neuen Flächen aufgenommen. Wie lautet Ihr Fazit?

Ich habe in der letzten Zeit viele positive Rückmeldungen von meinen Kolleginnen und Kollegen zu ihrem neuen Arbeitsplatz erhalten. Das ist für mich die beste Rückmeldung, die ich als Mitarbeiter der Abteilung Bauorganisation bekommen kann. Außerdem freut mich, dass die  gesteckten Ziele bereits erreicht oder in greifbarer Nähe sind. Der nächste große Schritt ist der Abschluss der Zertifizierung des neuen Gebäudes.