Welche Auswirkungen hat die EU-Taxonomie-Verordnung auf das Kreditgeschäft?

Dieser Fragestellung und deren Beantwortung widmet sich Thomas Katzenmayer, Vorsitzender des Vorstands der Evangelischen Bank, im folgenden Interview.  

Ein Bild von Thomas Katzenmayer in einem Interview

 

Welche Konsequenzen hat die EU-Taxonomie für Geldhäuser?
Die EU-Regulatorik führt dazu, dass bei einem Kreditgeschäft der CO2-Ausstoß unserer Kunden uns zugerechnet wird. Kreditnehmer mit einem schlechten CO2-Fußabdruck stellen damit für Banken zukünftig ein höheres Risiko dar. Denn bei der Gewährung der Darlehen müssen wir dafür mehr Eigenkapital hinterlegen als für Kreditnehmer mit guter Ökobilanz.

 

Was bedeutet dies für die Kunden?
Der EU-Green Deal und die Taxonomie haben das Ziel, Finanzströme in eine nachhaltige Richtung zu lenken. Damit sind auch wir Banken verpflichtet, unsere Kunden auf die Thematik hinzuweisen und entsprechend zu steuern. Für Kunden, die die Taxonomie nicht umsetzen wollen, wird die Beschaffung von Fremdkapital teurer.

Zu beachten ist dabei, dass die Kunden aus Kirche und Diakonie, der Gesundheits- und Sozialwirtschaft bei Klimaschutz-Investitionen in Krankenhäusern und Pflegeheimen oft von öffentlichen Trägern abhängen. Die Finanzierbarkeit dieser Transformation ist derzeit noch völlig offen, ebenso wie die weitere Ausformulierung der EU-Vorgaben.

"Ab 2024 ist das ESG-Reporting Pflicht, das die Erfüllung der Nachhaltigkeitskriterien dokumentiert."

Welche Rolle spielt dabei die Evangelische Bank?
Die Evangelische Bank verfolgt seit ihrer Gründung umfangreiche Nachhaltigkeitsziele.

Diese Nachhaltigkeitsziele sind ebenso wie die EU-Taxonomie wesentlich für das eigene Anlagengeschäft der Bank und für die für Kunden gemanagten Portfolios. Investments in Unternehmen, die Nachhaltigkeitskriterien vernachlässigen, versprechen auf längere Sicht schlechtere Renditen.

 

Ab wann greift die EU-Taxonomie-Verordnung?
Kapitalmarktteilnehmer, zu denen auch wir als EB zählen, müssen ab dem kommenden Jahr Daten zum CO2-Ausstoß sammeln, Unternehmen anderer Branchen und damit auch Kunden der EB ein Jahr später. Ab 2024 ist das ESG-Reporting Pflicht, das die Erfüllung der Nachhaltigkeitskriterien dokumentiert.

 

Welche Schritte geht die EB für sich selbst?
Die EB fragt intern rund 6.900 Datenpunkte ab, darunter den Verbrauch von Strom, Wasser und Gas und den CO2-Ausstoß des Fuhrparks. Mit unserem Neubau in Kassel sind wir hier einen sehr guten Schritt vorangekommen. Zudem weiten wir unser Geschäft aus. Wir haben bei der Finanzaufsicht BaFin eine Pfandbrieflizenz beantragt. Hinter den festverzinslichen Papieren stehen als Sicherheit Immobilien aus dem EB-Kreditportfolio. Ein gutes ESG-Rating wird auf der Zinsseite im Markt honoriert. Wir wollen Papiere im Volumen von 250 Millionen Euro pro Jahr im Markt platzieren.


Erfahren Sie mehr über die EU-Taxonomie-Verordnung

Wer ist von der Verordnung zur Reduzierung umweltschädlicher Treibhausgase noch betroffen? Was bedeutet dies konkret für Sie und Ihr Unternehmen?

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